Sexualität und Spiritualität


 

Dass man Spiritualität in den engen Zusammenhang mit Sexualität bringt, ist nichts Neues. Schon im 2. Jahrhundert haben die Menschen begonnen, den Weg der Sexualität als Pfad zur inneren Entwicklung zu wählen, z.B. den Weg des Tantra. Tantra ist eine der wenigen spirituellen Richtungen, die Sexualität nicht als Hindernis für die geistige Entfaltung, sondern als Katalysator auf dem Weg zur Befreiung vorsieht. Tantra wird in der Regel durch einen Meister gelehrt, der als Guru bezeichnet wird. *


Göttlicher Orgasmus: Die Lehre eines Gurus


„Die sexuelle Energie ist unser Brennstoff. Der Sinn des Besitzens dieser Energie ist, die Leidenschaft der sexuellen Organe in die Leidenschaft des Herzens zu umwandeln.“ Aba Aziz Makaja

Wie man dieses Prinzip verwirklichen kann, zeigt der tantrische Meister Aba Aziz Makaja (mit bürgerlichem Namen Franjo Milicević). In seiner eigenen Philosophie und Theologie der Sexualität lehrt er, dass nur durch eine erfüllte Sexualität Erleuchtung und Seelenheil möglich sind.

Der Guru Aba Aziz Makaja

Der Guru Aba Aziz Makaja

Makaja, Mitglied der Weltassoziation für sexuelle Gesundheit (WAS), geht davon aus, dass der wichtigste Unterschied zwischen dem Menschen und den göttlichen Stufen die sexuelle Leidenschaft sei. „Anstatt dass ihr den Sex gebraucht, missbraucht ihr ihn. Er ist göttlich!“, predigt der Guru.
Seine Gemeinschaft »Komaja« („Die strahlende Liebe“) propagiert freie Liebe und Sexualität als Weg zum Glück. Die Gemeinschaft bietet liebeserotische Therapien an, in denen meditiert, gesungen und tantrische Liebesübungen praktiziert werden. Doch gibt es feste Regeln in der Gemeinschaft: kein Alkohol, keine Drogen, kein Fleisch, kein Fisch u.a.: „Wir leben zwar wie Mönche, die Ausnahme ist sexuelle Aktivität“, sagt Makaja.

Das Symbol der »Komaja«

Das Symbol der »Komaja«

Freie Liebe und Sexualität wird hier durch polyamorische Beziehungen erreicht. Die polyamorische Beziehung beschreibt neben einer bereits Bestehenden mit einem Partner stabile Liebesverhältnisse zu weiteren Partnern. Makaja nennt diese Art Beziehung: „Zajedna“ (von kroatisch „zajedno“: zusammen, gemeinsam bzw. „za jedno“: für das Eine), in der er auch selbst mit seinen fünf Frauen lebt. Eifersucht ist dabei verpönt. „Monogamie macht die meisten Menschen unglücklich!“, meint der Guru dazu. „Ich war mit vielen Frauen zusammen, doch das war kein Sex im herkömmlichen menschlichen Sinne mehr.“ Sex wird angewandt, um den Menschen zu helfen, Gott näher zu kommen, d.h. auch näher zu sich selbst, der Quelle des eigenen Lebens. Es entsteht eine Übertragung der geistigen Kraft: »Shaktipat«, wie es auf Sanskrit heißt. Shaktipat kann statt mit Berührung auch per Blick, Wort oder Klang oder auch telepathisch praktiziert werden. Neben dem hedonistischen gibt es damit den asketischen Weg zur Erleuchtung. So führt laut Makaja ein Wechsel zwischen Askese und sexueller Aktivität zur Spiritualisierung des liebeserotischen Lebens.

Allerdings betont Makaja, dass Komaja weder eine Religion noch eine Sekte sei. Einige Religionsforscher und die katholische Kirche zeichnen jedoch ein anderes Bild. Diese werfen der Gemeinschaft ein krudes theosophisches Weltbild mit tantrischen Versatzstücken und bewusst formulierten christlichen Wertekatalog  vor. Gerade die Kirchen erklären aber unumwunden, dass es sich um eine missionarische Konkurrenz für sie handelt. Bei der Begründung tut man sich dann schwer, bemüht Vergleiche und konstruiert aus der Betonung der Sexualität eine mögliche Gefahr für Missbrauch Beteiligter.

Mehr über den Guru Aba Aziz Makaja und seine Gemeinschaft Komaja erfahren Sie unter: http://www.komaja.org/de/index.php

Von sexueller Energie zur göttlichen Liebe

Den Zusammenhang zwischen Spiritualität und Sexualität kann man aus mehreren Perspektiven betrachten. Einerseits als etwas Gegensätzliches, da die Sexualität als etwas Körperliches, Lustbetontes und Irdisches verstanden wird und Spiritualität etwas Geistiges und Göttliches verkörpert.
Der Psychotherapeut Martin Dierks bevorzugt eher eine andere Perspektive, die tiefere Wahrheit, die Spiritualität und Sexualität eng verknüpft: „Das sind die zwei Enden einer Schnur“, erklärt Martin Dierks. „Und das erklärt so schön das Prinzip der aufsteigenden Kundalini.“

Sieben Chakren

Sieben Chakren

In den tantrischen Lehren besteht die Vorstellung, dass sich an der Wirbelsäule entlang bis hoch zum Kopf sieben Energiezentren, die so- genannten Chakren befinden. Die Kundalini äußert sich wesentlich als sexuelle Energie. Sie schläft im untersten Chakra wie eine zusammen gerollte Schlange und steht symbolisch für die niedere (körperliche) sexuelle Energie, so Martin Dierks. Diese Energie ist in den Geschlechtsorganen enthalten und entlädt sich als  einfacher Wunsch nach Sex. Dabei geht es in erster Linie um das rein Körperliche, geistiges Verlangen fehlt. Doch kann die Energie durch die Chakren die Wirbelsäule entlang aufsteigen und sich in höhere Formen von Energie wandeln.

Auf Luzifers Flügel zur himmlischen Liebe

In seinem Buch „Auf Luzifers Flügel zur himmlischen Liebe“ beschreibt Dierks diesen Entwicklungs- und „Verwandlungsweg“. Dierks Titelmetapher bedient sich des teuflischen Einflusses auf den maßlosen, ausschweifenden sexuellen Trieb der den Weg zur Erleuchtung versperrt. Auf diesem Weg ist die sexuelle Energie der Rohstoff, ohne den die Transformation nicht möglich wäre. „Alchemisten haben früher gesagt, sie wollen aus Blei Gold machen. Aber ohne Blei, gibt es auch kein Gold. In diesem Bild wäre die Sexualität das Blei, und die Spiritualität das Gold“, schreibt der Autor.

Zusammengefasst bietet sich das Buch, wie Martin Dierks schreibt‚ als ein psychologisch-spiritueller Wegbegleiter von der körperlichen Liebe über die emotionale und spirituelle bis zur letztlich göttlichen Liebe an.

Mehr über Martin Dierks und sein Buch unter: http://www.martin-dierks.de/

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